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Profile/ Der Leegebrucher Wolfgang Rumpf "Verarscht nach Quoten"

PROFILE/ DER LEEGEBRUCHER WOLFGANG RUMPF "VERARSCHT NACH QUOTEN"
Mit der Kneifzange zwicken

LEEGEBRUCH Der derbdeftige Titel "Verarscht nach Quoten" lässt ahnen, was aufs Korn genommen wird: die Quotenjagd in deutschen Landen. Ob über Flimmerkisten-Flut oder Nadelstreifen-Politiker hergezogen wird, das neue Programm des Berliner Kabaretts "Kneifzange" sorgt mit der heutigen Premiere wieder dafür, dass die Lachmuskeln strapaziert werden."Auf heitere, witzige und pointierte Art und Weise stecken wir den Finger in die Wunden unserer bunten Republik", sagt Intendant und Regisseur Wolfgang Rumpf. Seit 1975 inszeniert er, entwirft und verwirft Ideen und Szenen, die für die Welt der Bretter bestimmt sind. Das Satire-Theater "Kneifzange", jetzt in der 47. Spielzeit, übernahm er 1990 als Intendant.Rumpf, Jahrgang 1948, ist nach einem aufreibenden Theaterleben mit vielen Stationen etwas sesshafter geworden. Seit mehreren Jahren wohnt der Künstler in Leegebruch, genießt das dörfliche Leben. Dazu gehört, dass er sich früh auf den Drahtesel schwingt und seiner Frau Birgit und Tochter Maxi frische Semmeln holt. Kein Autostau, keine Parkplatzsucherei.Den krassen Gegensatz erlebt er täglich in Berlin, wenn er zu seinem Büro in der Friedrichstraße fährt.Neben dem Kabarett gründete er mit Wolfgang Seppelt vor drei Jahren das Berliner Kriminal Theater. "Wir haben damals einfach eine Nische in unserer Branche gesucht. Es gibt Opernhäuser, Kindertheater oder Komödien. Wir überlegten, was es noch nicht gibt", erzählt er in sonorem Ton. Außerdem gäbe es genügend spannende Literatur. Jeder denkt natürlich sofort an Agatha Christie, doch auch Brechts Dreigroschenoper und Richard III. sind für Rumpf Krimis.So inszenierte er erfolgreich die Kriminalkomödie "Die acht Millionäre", den Agatha-Christie-Klassiker "Die Mausefalle", den Psycho-Thriller "Gefährliche Besessenheit" und zuletzt das spannende Gerichtsdrama "Zeugin der Anklage". Derzeit ist das Ensemble mit dem Mausefallen-Stück auf Tournee.Wolfgang Rumpf hat den Theaterberuf von der Pike auf gelernt. Trotzdem muss etwas Bühnenblut vererbt gewesen sein, denn auch seinen Opa Willi, der eigentlich Elektriker war, zog es hinter die Kulissen: Er war Beleuchter im früheren Victoria-Theater in Bernburg. "Zur Bühne kam ich als Zehnjähriger. Damals war ich Mitglied der Kinder- und Jugendfeuerwehr in Bernburg. Wir hielten Brandwache bei einer Generalprobe. Das war für mich so faszinierend, dass ich das Löschen fortan sein ließ, mich zum Vorsingen im Kinderchor meldete und auch angenommen worden bin", erinnert sich Wolfgang Rumpf. Die erste kleine Rolle, der erste Satz seines nun beginnenden Künstlerlebens sind ihm noch heute im Gedächtnis.Später kam der Ernst dazu. Und der Fleiß, der zum erfolgreichen Abschluss an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" führte. Wolfgang Rumpf arbeitete als Schauspieler und Regieassistent. Eine Regieaspirantur bei Professor Wolfgang Heinz am Deutschen Theater zog ihn nach Berlin."Wanderjahre" verschlugen ihn zu Bühnen in Magdeburg, Neustrelitz und zur Kleinen Revue in den Berliner Friedrichstadtpalast.Jetzt ist Wolfgang Rumpf Unternehmer und künstlerischer Leiter von zwei eigenen Theatern mit etwa 30 Mitarbeitern. Und: Er muss wirtschaftlich denken und ohne Subventionen auskommen.

LIANE PROTZMANN Märkische Allgemeine vom 10.04.2003
 
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