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Gelächter aus der Hauptstadt


Kabarett Theater Kneifzange macht sich lustig über Berlin und die Provinz

Von Lydia Nehring

Wer noch niemals in der Hauptstadt war, sollte sich auf Überraschungen gefasst machen. Wie der Onkel Fritz aus Neuruppin, der zum ersten Mal durch Berlin spaziert. Als er an einem Haus die Inschrift »Hier oben wird massiert« liest, will er sich natürlich etwas Gutes gönnen. Also betritt er das Etablissement, um es mit der freudigen Erkenntnis zu verlassen: In Berlin massieren sie ganz anders als in Neuruppin. Am nächsten Tag im Ballhaus wird er jedoch bestohlen - und Onkel Fritz beschließt, das war sein erster und letzter Hauptstadtbesuch.
Womit das neue Programm des Kabarett Theaters Kneifzange »Sehn Se, det is Berlin!« allerdings noch lange nicht am Ende ist. Denn in den Schlaglichtern einer Großstadt, die von Wolfgang Rumpf und Wolfgang Seppelt zusammengestellt wurden, gibt es jede Menge nachdenklicher, vor allem aber humorvoller Reflexionen und Geschichten über die geliebte Stadt Berlin. Wobei das äußerst musikalische, beschwingte Programm, das von dem Pianisten Jürgen Beyer und dem Saxofonisten Axel Glenn Müller mit Engagement getragen wird, auch viele Berliner Melodien erklingen lässt, die zum Mitsingen und Mitklatschen einladen.
Vor einem altertümlichen, braun getäfelten Ausschanktisch, an dessen Seite eine Kuchenvitrine in die Höhe ragt, lassen die Darsteller verschiedene Charaktere lebendig werden. So verwandelt sich die temperamentvolle, blonde Daniella Erdmann im Laufe des zweistündigen Programms nicht nur in eine Hausfrau, die das Wandern hasst, sondern auch in eine sächsische Putzfrau mit Schürze. In »Striptease in Leipzig« von Günter Neumann verrät sie, dass sich die Damen bei der Leipziger Messe auch die Blöße mit Klößen geben sollten. Leider hatte die DDR mit Produktionsproblemen zu kämpfen - und so bemüht sich die Frau mit dem sächsischen Sexappeal vergeblich, ihre klemmenden Reißverschlüsse zu öffnen.
Alexander Wikarski macht die Zuschauer mit einem Bundestagspförtner bekannt, der gar nicht versteht, warum die Abgeordneten ihre Nebentätigkeiten erklären sollen. Schließlich würde es vollkommen reichen, wenn sie ihre hauptsächlichen Tätigkeiten darlegen würden. Tom Deininger blickt indessen in einen imaginären Handspiegel, während er mit dem fülligen Bauch kreist. Und in der »Enthüllung einer Stripteasetänzerin« von Günter Neumann verkündet, dass ihre Fülle ohne Hülle auf die Männer aus der Provinz wirkt.
Unter der Regie von Wolfgang Rumpf singen, trällern und erzählen die Darsteller in schnellen Rollenwechseln, während sie über die Bühne marschieren, tanzen oder sich frontal dem Publikum zuwenden. Dabei wird immer wieder der Pleitegeier, der über Berlin kreist, in Erinnerung gerufen. Wie tröstlich ist es da zu erfahren: »Wie die Sau für ihre Ferkel, so sorgt für uns Angela Merkel.«

Neues Deutschland vom 29.03.2007

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