Pointenfeuerwerk im Lakeside
Für Strausberg habe er extra sein rotes Jackett angelegt .....
Wenn Kabarettisten in die Jahre kommen, liegen die Themen nahe: demographischer Wandel, steigende Lebenserwartung bei kollabierenden Sozialkassen, Geburtenverweigerung und Politikergedöns. Ursula von der Leyen als Mutterschiff der Nation will den Bundesadler durch den Storch ersetzen, Kurt Airbeck eckt nirgends an, der Verteidigungsminister heißt Jung, weil er die Soldaten nicht alt werden lässt, Angela Merkel reißt sich die Perücke vom Kopf und ist doch Hape Kerkeling, und Klaus Wowereit ist Zielscheibe der vielfältigsten Anspielungen, die allerdings zum großen Teil unter der Gürtellinie landen.
Mit Klaus Zeim, Vera Müller und Holger Richter hatte das Kneifzangen-Programm "Richtig verkehrt" Deutschland im Gefühls- und Reformstau drei gestandene Kabarett-Solisten und Ensemblespieler. In zwei Soli feuerte Zeim jeweils ein Pointen-Feuerwerk ab, dass sich die diesmal zahlreichen Zuschauer auf den Rängen des Amphitheaters im Burghotel The Lakeside die Seiten hielten. Vera Müller hatte ihre Glanzpunkte, besonders als sie putzend über ein Headset Telefonsex zelebrierte und ganz gerührt ihrer Freundin erzählte, ihr Mann sei auch schon drangewesen: "Ist doch schön, wenn einen der eigene Mann noch so erregend findet - wenn er es auch nicht wusste." Holger Richter brillierte gleich zu Beginn als vigilanter Eheanbahner und später als Klient einer solchen Annäherung. Für das Hotel The Lakeside, das die Hoftheater-Saison ganz ohne Fördermittel veranstaltet, war die zweite Vorstellung ein wichtiger Erfolg.
Märkische Oderzeitung - 02. Juli 2007
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